Das zweite Standbein der internationalen Liquiditätsvorschriften

Paderborn, 12.01.2018

2018 tritt eine weitere Basel-III-Kennziffer in Kraft: der Net Stable Funding Ratio (NSFR)

Seit Januar 2014 wird das Basel-III-Rahmenwerk auf europäischer Ebene zehn Jahre lang, teils mithilfe von Übergangsbestimmungen, umgesetzt.[1] Bereits die ersten Kapital- und Liquiditätsregeln haben zu deutlichen Veränderungen in den Bilanzen und im Zahlungsverhalten deutscher Banken geführt.

Ab dem 01.01.2018 ist eine neue Liquiditätskennziffer, der Net Stable Funding Ratio (NSFR) in Kraft getreten. Des Weiteren ist die ebenfalls mit der Capital Requirements Regulation (CRR) in 2014 eingeführte Liquiditätsdeckungskennziffer (LCR) zu 100% zu erfüllen.

Aktueller Stand: Bankenmonitoring vergibt gute Noten

Die jüngste veröffentlichte Umfrage des halbjährlichen Basel III-Monitorings der Deutschen Bundesbank belegt zum Stichtag des 31.12.2016, dass „sowohl die sieben großen und international tätigen Gruppe-1-Institute mit einer mittleren harten Kernkapitalquote von 12,7% als auch die restlichen Gruppe-2-Institute mit einer Quote von 15,7% deutlich über der Mindestanforderung“ liegen. Weiter heißt es: „Alle Institute halten zudem weiterhin den vollen Kapitalerhaltungspuffer, der seit 2016 schrittweise bis 2019 eingeführt wird. Die durchschnittliche Verschuldungskennziffer (Leverage Ratio) beträgt im Mittel für Gruppe-1-Institute 3,8% und für Gruppe-2-Institute 5,3%.“

Was die Kapitalausstattung angeht, stehen die deutschen Finanzinstitute also sehr gut da - auch im internationalen Vergleich. Wie sieht es mit den Liquiditätsanforderungen aus? Um diesen Folge zu leisten, reduzierten viele Banken in den letzten Jahren kreditsensitive Einlagen von Großkunden (z.B. Credit Default Swaps) und weitere risikobehaftete Positionen, wie Derivate und Kreditrahmenverträge. Aufgebaut wurden hingegen vor allem Barmittel und Zentralbankguthaben. Bei allen deutschen Instituten reichen die ergriffenen Maßnahmen für die Erfüllung des 100%-LCR sogar früher als benötigt aus. Die NSFR Anforderungen wurden jedoch im Dezember 2016 von einigen noch nicht erfüllt. 16 der 35 untersuchten Banken müssen nachbessern, darunter die 7 Größten, deren noch ausstehender Kapitalbedarf den Löwenanteil von 40,1 Mrd. € (insgesamt 52,1 Mrd. €) ausmacht.[2]

Internationale und deutsche Liquiditätsvorgaben

Ziel der Liquiditätsstandards ist es, dass international aktive Banken zukünftig schweren Liquiditätskrisen widerstehen können und keine negative Kettenreaktion im Finanzsystem auslösen. Basel III sieht zwei Standards mit unterschiedlichen Fokussen vor. Eine kurzfristig orientierte Liquiditätsdeckungskennziffer (Liquidity Coverage Ratio, LCR) und einen langfristig orientierten Refinanzierungsstandard, den NSFR.

Der kurzfristig ausgerichteten Stressteststandard (LCR) soll gewährleisten, dass jede Bank in der Lage ist, ein schweres Stressszenario über einen Zeitraum von 30 Kalendertagen selbstständig zu überstehen. Dieser wurde von 2015 bis 2018 schrittweise eingeführt: zunächst mit einem Erfüllungsgrad von 60%, dann 2016 auf 70%, 2017 auf 80% und 2018 schließlich auf 100%.

Mit der stabilen Finanzierungskennziffer wird nun auch das zweite Standbein, eine strukturelle Liquiditätsquote, eingeführt.

Auf deutscher Ebene gibt es für Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute mit der Verordnung über die Liquidität der Institute (Liquiditätsverordnung - LiqV) seit 2007 eine Verordnung zur Sicherstellung ausreichend flüssiger Mittel im Verhältnis zum Risikoappetit. Diese wurde zuletzt im Dezember 2013 entsprechend der CRR geändert. Bis zur vollständigen Einführung der LCR in 2018 gilt diese nationale Anforderung parallel für CRR-Kreditinstitute. Für Nicht-CRR-Kreditinstitute[3] gilt sie unbefristet weiter.

Der Net Stable Funding Ratio

Die NSFR-Vorschrift soll eine stressresistente Finanzierung der Aktivgeschäfte und der außerbilanziellen Aktivitäten einer Bank sicherstellen. Im Ausgleich für bilanzielle und außerbilanzielle Verpflichtungen (Risiken), müssen die Finanzinstitute ausreichend dauerhaft verfügbare Finanzmittel (zum Beispiel EK und langfristige Verbindlichkeiten) vorhalten. Je illiquider die Risikoposten (vermutlich nicht veräußerlich oder qualitativ unzureichend) und je höher die Restlaufzeiten der Verbindlichkeiten, desto mehr dauerhaft verfügbares Kapital ist erforderlich. Die berechnete Quote muss über 100% liegen. Der Berechnungshorizont ist ein Jahr. Ab Januar erfolgt die Meldung quartalsweise.

Berechnung:
NSFR = dauerhaft verfügbare Finanzierung (ASF) / stabile Refinanzierung (RSF) > 100%

Das BCBS unterteilt die Aktiva entsprechend ihrer Liquidität in sieben Kategorien:

Liquiditätsstufen RSF

Das RSF, also der Nenner des NSFR ist dann die Summe der Produkte aus Bilanzwerten und RSF-Faktoren.

Der geforderte Gegenwert zur Refinanzierung dieser Assets auf Seiten der Passiva wird ebenfalls in drei Schritten berechnet. Die Einteilung des Eigen- und Fremdkapitals erfolgt in fünf Kategorien, je nachdem, wie stabil die Finanzierung ist.

Stabilitätsstufen ASF

Schritt zwei ist wiederum die Multiplikation der jeweiligen Bilanzwerte pro Kategorie mit dem entsprechenden ASF-Faktor. Aufsummiert ergibt sich der Zähler, das ASF (Schritt drei).

Fazit

Es stimmt, mit den eingeführten Liquiditätsvorgaben herrschen erschwerte Bedingungen für das originäre Kreditbankengeschäft, die Laufzeitentransformation. Nach diesem Geschäftsmodell verleihen Banken das Geld, welches sie von Privatkunden auf Sparbüchern und Girokonten eingezahlt bekommen haben und auf das kurzfristig zugegriffen werden kann, als mittel- und langfristige Kredite an Unternehmen und Häuslebauer. Dennoch kann man auch die Perspektive der internationalen Bankenaufseher nachvollziehen. Um eine weitere Weltfinanzkrise und anschließenden Wirtschaftsabschwung wie in 2007 und Folgejahren möglichst zu vermeiden, sind strengere Vorgaben vertretbar.

Haben Sie Fragen zu aktuellen Regulierungen im Bankenumfeld? S&N hat Spezialisten, die Sie gerne unterstützen.

Ansprechpartner: Franziska Keuper, Master in Finance, Consultant Business Analyse

 

[1] Basel III wird auf europäischer Ebene für alle rund 8.200 Institute der Europäischen Union durch zwei Rechtsakte umgesetzt: zum einen mit der Richtlinie 2013/36/EU und zum anderen mit der Verordnung (EU) Nr. 575/2013 (CRR).

[2] Basel III-Monitoring: Ergebnisse der Basel III-Auswirkungsstudie für deutsche Institute zum Stichtag 31. Dezember 2016

[3] Dies sind zum Beispiel Wertpapierhandelsunternehmen und Wertpapierhandelsbanken, im Sinne des KWG.

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